Alles Banane? Wie wir hören

Laut, leise, hoch, tief – was wir hören und somit wahrnehmen liegt nicht nur an der Lautstärke, sondern auch an der Frequenz. Dabei hören wir Dinge, die tief klingen, einfacher wahr als solche, die hoch sind. So ist eine Motorsäge nicht nur laut, sondern auch tief. Vogelgezwitscher hingegen ist nicht nur relativ leise, sondern auch hoch. Dies ist also schwieriger zu hören als eine Motorsäge.

Ähnlich verhält es sich auch mit der Sprache. Es gibt Buchstaben, die eher hoch, und solche, die eher dem tiefen Bereich zuzuordnen sind. So sind „f“ und „s“ eher im hohen Bereich, „l“ und „u“ eher tief. Menschen mit einem beginnenden Hörverlust können daher oft Buchstaben des hohen Bereichs nicht mehr eindeutig auseinanderhalten.

Das menschliche Gehör nimmt allerdings nur einen bestimmten Frequenz- und Pegelbereich von Schall wahr. Wenn man dieses in ein Diagramm überträgt, ergibt sich die Form einer Banane. Tiere können in anderen Bereichen miteinander kommunizieren. So registrieren beispielsweise Fledermäuse sehr viel höhere Töne, Wale kommunizieren in weitaus tieferen Frequenzen.

 

Dies ist die Abbildung einer Hörbanane. Es ist zu erkennen, wo eine Motorsäge (links unten) und wo Grillenzirpen (rechts oben) angesiedelt sind.

Das Hören selbst ist komplex. Es ist ein Zusammenspiel von Außenohr, Mittelohr, Innenohr und Gehirn. Der Schall trifft zunächst auf das Außenohr, das wie ein Trichter fungiert. Durch den Gehörgang gelangen die Schallwellen bis aufs Trommelfell. Diese Membran liegt zwischen Außen- und Mittelohr, in dem sich die Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel befindet.

Trifft Schall aufs Trommelfell, fängt es an zu vibrieren und versetzt die Knöchelchen in Schwingung. Diese verstärken die Schallschwingung. Im Innenohr sitzt die Schnecke. In ihr sind nicht nur die Haarsinneszellen. Sie ist zudem mit Flüssigkeit gefüllt. Die Schwingungen der Ohrknöchelchen setzen eine Wellenbewegung in Gang, die wiederum die Haarsinneszellen bewegt. Sie wandeln die mechanische Schwingung dann in einen elektrischen Nervenimpuls um. Dieser wird zum Gehirn weitergeleitet, wo die Einordnung der Töne erfolgt.

Eine Hörminderung kann nun verschiedene Ursachen haben. Wenn beispielsweise das Trommelfell beschädigt ist, kann der Schall nicht mehr gut weitergeleitet werden. Wenn allerdings die Haarsinneszellen beschädigt sind, liegt eine Schädigung im Innenohr vor. Diese tritt weitaus häufiger auf als eine Schallleitungsstörung. Haarsinneszellen sind nicht regenerativ, das heißt: sind sie einmal zerstört, erholen sie sich nie wieder. Wer permanent Lärm ausgesetzt ist, gefährdet auch die Haarsinneszellen im Innenohr. Und es ist egal, ob es sich um ein startendes Flugzeug oder ein Rockkonzert handelt. In den USA schätzt man beispielsweise die Zahl von schwerhörigen Musikfans auf zehn Millionen.

Aus diesem Grund ist ein Gehörschutz durchaus auch in der Freizeit ratsam, wenn es laut werden könnte. Nicht nur Sportschützen setzen inzwischen auf einen optimal angepassten Gehörschutz, auch Musiker wissen um die Vorteile von Gehörschutz, der mit den Ohrstöpseln aus der Drogerie wenig zu tun hat.