Hilfe zur Selbsthilfe will die "Hear the World Foundation" bieten. Sie ermöglichte es drei jungen Frauen, sich in Lübeck fortzubilden.

Fortbildung für ausländische Akustikerinnen

Kindern mit Hörverlust zu helfen, ist gar nicht so einfach. Es erfordert eine Menge Einfühlungsvermögen. Um kleine Patienten besser versorgen zu können, erhielten die HNO-Ärztin Myroslava Pyulypiuk aus der Ukraine, die Audiologie-Assistentin Gladys Asmar aus dem Libanon und die Hörakustikerin Elizabeth Wambui aus Kenia ein Stipendium. Sie reisten zur Sommerakademie am Campus Hörakustik nach Lübeck. Ihren Aufenthalt und ihre Fortbildung dort finanzierte die Stiftung „Hear the world“. Als Multiplikatorinnen sollen sie in ihren Heimatländern ihr neu erlangtes Wissen verbreiten.

Qualifizierte Fachkräfte fehlen

In einem Krankenhaus nördlich von Nairobi arbeitet Elizabeth Wambui. Sie sagt: „Die hörmedizinische Versorgung in Kenia ist schlecht.“ Zum einen könnten sich die Menschen kaum Hörgeräte leisten. Zum anderen gebe es kaum qualifizierte Fachkräfte, die entsprechende Hörgeräte anpassen könnten. Aus diesem Grund sei ihre Fortbildung schon jetzt ein Gewinn.

Kinder aus Flüchtlingslagern bei Beirut

Die Kinderkrankenschwester Gladys Asmar sieht im Libanon weitere Defizite: „Bei der Diagnose und der Versorgung von Hörverlust bei Kindern müssen wir noch viel aufholen.“ Noch bis vor drei Jahren habe es kein Neugeborenen-Screening gegeben. In dem Krankenhaus, in dem Asmar arbeitet, werden sowohl Kinder aus der Region als auch Mädchen und Jungen aus den Flüchtlingslagern bei Beirut behandelt.

Pädakustik-Kursus in Lübeck

Bei einem Pädakustik-Kursus  lernten die Frauen  während der Fortbildung wie man bei kleinen Patienten Hörverluste erkennen und Ohrpassstücke  der Hörgeräte kindgerecht gestalten kann. Sie redeten auch darüber, welche Möglichkeiten es gibt, die Familien der betroffenen Kinder mit in die Versorgung einzubinden.  Die drei Frauen waren nach dem Kursus während der International Summer Academy begeistert über ihren Aufenthalt in Lübeck.

Eine großartige Bereicherung

„Für mich persönlich war die Fortbildung in Lübeck eine großartige Bereicherung. Es ist ein Gewinn, all das Gelernte in meiner täglichen Arbeit anzuwenden“, sagt Asmar. Sie freue sich besonders darüber, ihr vertieftes Fachwissen im Libanon an ihre Kollegen weiterzugeben, damit auch sie auf dem neusten Stand der Dinge sind.

Die Summer Academy

Während der International Summer Academy treffen sich alljährlich Akustiker aus mehr als 40 Ländern auf dem Campus in Lübeck. Ihr Ziel ist es, sich praktisch weiterzubilden. Dazu stehen in Lübeck schwerhörige Erwachsene und Kinder als Probanden zur Verfügung. Seminarsprache ist Englisch. Die Sonova Gruppe, zu der die „Hear the World Foundation“ gehört, unterstützt die Sommerakademie der Hörakustiker. Weltweit gibt es etwa 466 Millionen Menschen, die von einem Hörverlust betroffen sind, darunter waren 2018 laut Weltgesundheitsorganisation   WHO  etwa 34 Millionen Kinder. Die Folgen für schwerhörige Kinder sind gravierend: Wer nicht hört, lernt kaum sprechen, hat geringere Chancen in der Schule und später im Berufsleben.