Signalrauschabstand – warum eine Messung wichtig ist

Wenn man Hörgeräte eine Zeit lang zur Probe getragen hat, steht eine erneute Überprüfung an. Gemessen wird dann unter anderem der Signalrauschabstand. Einige mögen sich jetzt fragen: „Signalrauschabstand? Was soll das sein?“ Streber mögen wissen: Es hat etwas mit Physik zu tun. Ich jedenfalls wusste erst einmal nicht wirklich, was da gemessen wird. Dabei ist es ganz einfach.

Das Baustellen-Beispiel

Stellen Sie sich vor, sie unterhalten sich mit einer Freundin und müssen an einer Baustalle vorbei. Die Arbeiten sind laut. Ein Lastwagen kippt Kies ab. Es wird gehämmert und gebohrt. Was tun Sie? Sie werden automatisch lauter sprechen, damit ihre Freundin sie versteht. Sie werden im Zweifelsfall gegen den Baulärm anschreien. Die Verstärkung, die Sie dann benötigen, wird gemessen.

Bei Lärm doppelt schwer

Schwerhörige haben es in der Regel doppelt schwer, sich bei Lärm zu behaupten. Aus diesem Grund wird nach der Anpassung noch einmal das Sprachverständnis bei Lärm überprüft. Denn auch hier kann die Technik helfen, das Leben mit der Schwerhörigkeit ein wenig leichter zu gestalten. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten, das Sprachverständnis zu testen: mit dem so genannten Oldenburger Satztest oder dem Freiburger Wörtertest. Bei dem einen muss man ganze Sätze, bei dem anderen einzelne Wörter verstehen.

Als Marsmännchen

Zur Messung bekomme ich ein Ding auf, das mich an die Zeiten erinnert, in denen man sich als Kind ein Sieb auf den Kopf setzte und Marsmännchen spielte. Es ist eine Art Kopfhörer, wobei die Ohren nicht abgedeckt werden. Stattdessen sitzen rechts und links neben dem Kopf Lautsprecher, die auf die Ohren zeigen und die über einen Bügel – wie beim Kopfhörer – miteinander verbunden sind. Über diese Lautsprecher werden meine Ohren mit Störgeräuschen beschallt.

Der Oldenburger Satztest

Wir machen den Oldenburger Satztest. Ich soll Sätze verstehen. „Bitte auch einzelne Worte sagen, wenn Sie sie verstehen“, erklärt Sabine Thürmann, Hörakustikmeisterin bei Martin Blecker in Hannover. Die Schwierigkeit: nach und nach wird die Hörakustikerin die Lautstärke des Störgeräusches erhöhen. Es geht los. Zuerst verstehe ich nahezu alles. Doch dann…

Nichts verstanden?

„…ich weiß es nicht.. hieß das Koffer vielleicht?“ Ich runzle die Stirn. Als könne das beim Verstehen helfen. Beim nächsten Satz bekomme ich nur „irgendwas mit Brücke…?“ mit. Ich hätte nie gedacht, dass es so schlimm um mein Sprachverständnis steht. Gefühlt ist es sehr schlecht. „Nein, ist es nicht“, sagt Sabine Thürmann. Aber wir können etwas tun, damit Sie noch besser verstehen.

Angenehm oder nicht?

Jetzt bekomme ich verschiedene Geräusche vorgespielt. Ich soll sagen, ob es laut oder leise, unangenehm oder okay ist. Dazu bekomme ich eine Skala in die Hand. Wozu das gut ist? „Jeder Mensch hat ein anderes Empfinden, was er als angenehm oder als unangenehm wahrnimmt“, sagt die Akustikerin. Daher wird jetzt noch abgefragt, wie es um einzelne Geräuschbereiche steht. Das ist so ähnlich wie wenn man einst mit Kreide über die Tafel quietschte. Bei manchen stellten sich die Nackenhaare auf, andere steckten das Geräusch einfacher weg. Ich empfand es immer als unangenehm. Aber keine Angst: Es geht nicht um quietschende Tafelkreide. Es wird Ihnen nichts weh tun.

Mehr hören dank Technik

Schnell sind wir mit den Geräuschen durch. Es gibt wieder neue Hörkurven und Sabine Thürmann stellt das Hörgerät ein. Dann wieder der Test – und siehe da: ich verstehe wirklich mehr. „Wir haben mit der Technik mehr aus Ihnen herausgeholt“, sagt sie. Als weitgehend Normalhörende bin ich jetzt quasi überversorgt. Mir ist aber klar geworden, warum man den Signalrauschabstand unbedingt messen sollte. Ja, das hat mit Physik zu tun. Aber in erster Linie dient es dem verbesserten Hören auch bei Lärm – egal ob dieser von einer Baustelle stammt oder bei einer Party erzeugt wird.