Bernd Althusmann

Minister Althusmann: Für Azubis attraktiv werden

Attraktivere Rahmenbedingungen, bessere Vermittlungsmöglichkeiten und ein leichterer Einstieg als Vollzeitkraft nach der Babypause – das könnte aus Sicht von Wirtschaftsminister Bernd Althusmann dazu beitragen, dass Handwerksbetriebe leichter Nachwuchs finden. Bei einem Gespräch im Presse Club Hannover ging der CDU-Politiker auf das drängende Thema vieler Akustiker ein.

Offensichtliche Probleme

Die Probleme sind offensichtlich: Immer mehr Handwerksbetriebe finden keinen Nachwuchs mehr. Passende Auszubildende zu finden, ist auch für Hörakustiker oftmals sehr schwer. Was tun? „Handwerksbetriebe müssen attraktive Rahmenbedingungen schaffen“, sagt Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann. Da es zu viele offene Stellen gebe und es allgemein an Fachkräften mangele, könnten es sich junge Menschen heute oftmals aussuchen, wo sie unter welchen Bedingungen arbeiten wollten. „In ihrem Focus steht oft eine ausgeglichene Work-Life-Balance“, erklärt der CDU-Politiker. Kurz gesagt: Die Arbeit soll nicht die Freizeit bestimmen, sondern beides soll harmonieren.

Volleinstieg nach der Babypause ermöglichen

Doch das ist aus Sicht des Ministers nur ein Faktor, der zur Attraktivität eines Berufes beiträgt: „Man muss auch darauf achten, dass man Frauen nach der Familienphase stärker Möglichkeiten auch zur Vollzeitarbeit anbietet.“ Auch dafür müssten Voraussetzungen geschaffen werden. Baby und beruflicher Karriereknick? Das müsse nicht sein. Oftmals müsse aber auch das Berufsbild selbst aufgefrischt werden. Viele der Berufe hätten einen Wandel hinter sich. „Ein Dachdecker von heute muss beispielsweise auch eine Drohne fliegen können“, veranschaulicht Althusmann seinen Ansatz: Per Drohe könne er dann das Dach genau ausmessen oder Schäden feststellen. Aber das müsse ebenfalls kommuniziert werden.

Bessere Zusammenarbeit gefordert

Kommunikation ist auch der Schlüssel, wenn eine Vermittlung zwischen Bewerber und offener Stelle klappen soll. „Da müssen Bund und Länder besser zusammenarbeiten“, betont Althusmann. Daher gebe es auch an dieser Stelle einen dringenden Handlungsbedarf. Und natürlich sei es in den Zusammenhang auch die Frage, wie man Menschen aus dem Ausland einsetzen könne. „Die Anerkennung von Fachkräften aus dem Ausland dauert zu lange“, sagt der Minister. Denn noch ein Problem spiele eine Rolle. Dies ist dem Einstieg ins Berufsleben vorgelagert.

Bildungsreform gefordert

„Zwei Millionen Menschen zwischen 18 und 34 Jahren haben in Deutschland keinen Schul- oder Berufsabschluss“, erklärt Althusmann: „Da muss man ans Bildungssystem herangehen.“ Lesen, schreiben, rechnen – diese Grundlagen würden in der Grundschule gelegt. Und dort gebe es schon einige Defizite. „Wir brauchen einen neuen Anlauf zur Bildungsreform“, betont Althusmann, der von 2010 bis 2013 Kultusminister in Niedersachsen war. Denn ohne Bildung kein Abschluss, ohne Abschluss kein Azubi.

Foto: Torsten Hamacher