EEG im Ohr

Wer schon einmal ein EEG hinter sich gebracht hat, der weiß: es tut zwar nicht weh, ist aber unpraktisch. Der ganze Kopf wird verkabelt, damit über Elektroden die Gehirnaktivität gemessen werden kann. In Dänemark gibt es nun ein Zentrum, dass ganz neue Wege beschreitet: Seit Januar gibt es in Aarhus das „Center for Ear-EEG“.

Im Ohr statt am Kopf

Mit Hilfe einer Elektroenzephalograhie – kurz EEG – werden Hirnströme gemessen. Normalerweise werden dazu rund um den Kopf 21 Elektroden angebracht. Das „Center for Ear-EEG“ an der Universität Aarhus geht nun neue Wege: Dort wird die Gehirnaktivität mit Elektroden gemessen, die im und rund ums Ohr platziert werden. Dadurch ist es erstmals möglich, Hirnströme von Menschen im Alltag zu messen.

Dänische Unternehmen bringen 2,7 Millionen Euro auf

Seit Januar wird im neuen „Center for Ear-EEG“ gearbeitet. Finanziert haben das 2,7 Millionen Euro teure Zentrum die Familien der dänischen Unternehmen WS Audiology, UNEEG Medical und der Stiftung William Demant, Oticon eingeschlossen. Professor Preben Kidmose steht dem neuen Zentrum vor. Er forscht seit zehn Jahren an einer geeigneten Methode des Ohr-EEG.

Hörverlust besser bestimmen

„Man kann mit einem Ohr-EEG sehr viel genauer einen Hörverlust bestimmen als mit herkömmlichen Praktiken“, erklärt er. Aber ein Ohr-EEG könne beispielsweise auch dazu beitragen, Hirnkrankheiten sehr viel genauer zu untersuchen. „Diese Methode gibt uns die Möglichkeit, Hirnaktivitäten im Alltag zu messen“, betont der Professor. Man könne auch Gehirnaktivitäten bei schlafenden Personen aufzeichnen. So sei es erstmals möglich zu erkennen, ob es einen Zusammenhang zwischen der Lernfähigkeit und ausreichend Schlaf gebe.

Dauerhafter Rahmen

„Wir haben mit Prof. Preben Kidmose von der Aarhus Universität schon viele Jahre lang zusammengearbeitet und haben schon viele spannende Ergebnisse seiner Forschungen gesehen“, betont Richard Topholm vom Unternehmen UNEEG medical: „Wir sind jetzt sehr froh, dass wir ihm für seine Forschung nun einen dauerhaften Rahmen bieten können.“ Man sei sich sicher, dass die Ergebnisse der Forschung vielen Menschen Vorteile brächten.

Elektroden im Ohr

Beim neuen Ohr-EEG tragen die Patienten die Elektroden im und rund ums Ohr. Normalerweise bekommt man entweder eine Haube auf den Kopf gesetzt, an der die Elektroden befestigt sind, oder sie werden einzeln mit Kontaktgel eingestrichen und an der Kopfhaut des Patienten befestigt. Normalerweise dauert ein EEG zwanzig bis 30 Minuten. In dieser Zeit wird der Patient aufgefordert ruhig und entspannt sein. Um die Hirnaktivität zu messen, bittet der Arzt den Patienten beispielsweise kleine Rechenaufgaben zu lösen oder einfach die Augen zu öffnen.

Foto: Universität Aarhus