Hergehört! Ein Welttag fürs bessere Hören

Heute ist der zehnte Welttag des Hörens. Wie man sein Gehör schützen kann und warum Hörgeräte immer mehr zu Lifestyle-Produkten werden, erklärt Martin Blecker, Geschäftsführer des Verbandes Pro Akustik.

Herr Blecker, was hat sich seit dem ersten Welttag verändert?

Die Aufmerksamkeit in Bezug auf das Thema Hören an sich hat sich stark verändert, und auch das, was wir heute Schwerhörigen als Lösungen anbieten können, hat sich verändert. Vor zehn Jahren hatten wir reine Medizinprodukte, heute multimediale Lifestyle-Produkte. Heute bieten Hörgeräte weitaus mehr als vor zehn Jahren, und dies geht einher mit großem Gewinn an Lebensqualität.

Wie viele unversorgte Schwerhörigkeiten gibt es in Deutschland?

Das ist differenziert zu sehen: Sicherlich gibt es mehr Menschen, die eine messbare Schwerhörigkeit haben. Leichte Schwerhörigkeit müssen dabei anders und teilweise aufwendiger versorgt werden als schwerer Hörverlust. Von daher gibt es sicherlich fünf bis sechs Millionen Deutsche, die dringend ein Hörgerät bräuchten. Sechs bis sieben Millionen sind es wahrscheinlich, denen man mit einem Hörgerät schon früher helfen könnte.

Zahl der Schwerhörigen steigt

Werden es immer mehr oder weniger?

Prozentual werden es sicherlich mehr Menschen, die ein Hörgerät benötigen. Die geburtenstarken und technikaffinen Jahrgänge der Babyboomer kommen jetzt in ein Alter, bei dem moderne Hörsysteme viel bieten und das Hören leichter machen.

Werden potenzielle Hörgeräte-Träger immer jünger? Stichwort laut Musik über Kopfhörer hören, Konzerte etc…

Ja gefühlt werden sie immer jünger. Aber schaut man auf wissenschaftliche Untersuchungen, gibt es kaum Veränderungen zu den Generationen davor.

Hörgeräte werden stylischer

Hörgeräte sehen heute stylischer aus als mancher Kopfhörer, die sich Jugendliche in die Ohren stecken. Außerdem können die Hörsysteme weitaus mehr. Wie kann man einen Imagewandel herbeiführen?

Die Antwort steckt eigentlich schon in der Frage: Hörgeräte werden immer kleiner. Wenn der Kunde es wünscht, sind sie nahezu unsichtbar. Auf der anderen Seite sind Hörgeräte nichts Unanständiges. Sie bieten heute von ihren Funktionen her so viel Annehmlichkeiten, dass die Lebensqualität immens erhöht wird und schon normalhörende Nutzen von den Zusatzfunktionen haben.

Was raten Sie den Menschen? Welche Vorsorge können sie treffen?

Zunächst einmal ist es wichtig zu wissen, wie und was wir evtl. nicht mehr hören. Ist ein Hörverlust da, so wird das Hören und das damit einhergehende Verstehen im Alltag anstrengender.  Dies ist eine zusätzliche Belastung, die nicht nötig ist. Der Weg zu einem Hörakustiker ist einfach. Er macht einen Hörtest, der aufzeigt, wie gut das Hören und das Verstehen ist und ob und welchen Nutzen ein Hörsystem bringen kann. Und zu wissen, dass kein Hörverlust vorhanden ist, ist eine schöne Sache. Dann ist es sinnvoll, den Hörsinn zu schützen, z. B. mit Gehörschutz oder mit maßgefertigten Einsteckhörern den vollen Musikgenuss schon bei wesentlich geringeren Schallpegeln zu haben als mit den industriellen Einsteckhörern.

Vorsorge treffen

Kann ich Vorsorge treffen, damit kein Hörverlust aufritt?

Generell ist ein gesunder Lebenswandel mit ausreichenden Erholungsphasen in ruhiger Umgebung nicht nur für die Ohren gut. Auf der anderen Seite gibt es auch bei der Schwerhörigkeit eine genetische Vorbelastung. Dann ist es besonders wichtig bei starkem Lärm wie z. B. auf Rockkonzerten Gehörschutz zu tragen. Silvester sind Böller eine stark vernachlässigte Gefahr für unsere Ohren. Gegen den immensen Impulsschall helfen wieder ordentlicher Gehörschutz.  Auch bei der Arbeit kann Gehörschutz durchaus sinnvoll sein. Auf einem langen Flug oder einer langen Bahnfahrt bewirkt Gehörschutz, dass ich viel entspannter ankomme und aktiv etwas zum Schutz meiner Ohren und meines Hörvermögens getan habe.

Wenn Menschen trotzdem allmählich schlechter hören. Welche Möglichkeit gibt es?

In Deutschland hat jeder einen Anspruch auf gutes Hören. Das heißt: Wer ein Hörsystem benötigt, der bekommt sehr gute Hörgeräte über seine Krankenkasse.

Gute Zukunftsaussichten

Hörakustiker ist ein interessanter Beruf mit sehr guten Zukunftsaussichten. Wenn Sie einem jungen Menschen den Beruf nahe bringen müssten, was würden Sie ihm sagen? Was macht den Beruf aus ihrer Sicht attraktiv?

Es ist die Vielseitigkeit des Berufes. Auf der einen Seite ist die Technik, die sich rasant weiterentwickelt, auf der anderen der Umgang mit dem Menschen, die diesen Beruf ausmachen. Jeder Mensch ist anders, jede Schwerhörigkeit ist individuell. Wir Akustiker sind das Bindeglied zwischen Mensch und Technik. Es ist absolut befriedigend, Menschen wieder mehr Lebensqualität zurückzugeben. Das ist eine Sache, die man erwerben kann. Es macht mir auch nach über 40 Jahren Berufserfahrung jeden Morgen Spaß, mich mit Kunden zusammenzusetzen und für sie die bestmögliche Lösung zu finden.

Was muss ein junger Mensch für Voraussetzungen mitbringen?

Auf alle Fälle technisches Verständnis, Empathie für Menschen, und den Willen, etwas verändern zu wollen. Während eines Praktikums in einem Hörakustik-Betrieb kann jeder schon in der Schulzeit selber prüfen, ob ihm der Beruf Spaß macht. Wir sind ein Handwerksberuf und eine Ausbildung mit Gesellenprüfung ist eine gute Basis eine Meisterprüfung folgen zu lassen, in einen Bachelorabschluss einzusteigen oder seit Herbst letzten Jahren einen Masterabschluss anzustreben.  Daher ab in den nächsten Akustiker Betrieb und sich für ein Praktikum anmelden.