Corona, Hygiene und ein Cholera-Streit

Alle sprechen von Hygiene und den neuen Maßnahmen. Für Pro Akustiker ist eine umfassende Hygiene schon immer selbstverständlich gewesen. Von jeher legen sie Wert auf Sauberkeit. Schließlich arbeiten sie direkt am Menschen und in einem Gesundheitshandwerk.

Mindestabstand und Mundschutz

Da eine Beeinträchtigung des Hörvermögens auch eine erhöhte Unfallgefahr provoziert, durften Hörakustiker Patienten während der gesamten Corona-Krise versorgen. Selbstverständlich haben die Pro Akustiker schon in dieser Zeit darauf geachtet, so weit es geht den Mindestabstand einzuhalten und Mundschutze zu tragen.

Händewaschen

Regelmäßiges Händewaschen und -desinfizieren gehört zu ihrer Arbeitsroutine. Wer Menschen in seinem Beruf sehr nahe kommt, erfährt schon während der Ausbildung, wie wichtig Desinfektion und Sauberkeit sind. Dass sämtliche Flächen und Geräte nach jedem Patienten gereinigt und desinfiziert werden, ist selbstverständlich.

Termine vereinbaren

Um in dieser Zeit ein Aufeinandertreffen von vielen Menschen beim Hörakustiker zu verhindern, bitten die meisten Hörakustiker um eine telefonische Anmeldung. So können die Pro Akustiker genau einteilen, wer wann kommt und das Zusammentreffen von fremden Menschen kalkulieren. Bei Anzeichen von Fieber oder anderen Beschwerden sollten Termine vorsichtshalber abgesagt werden.

Bundesinnung

Die Bundesinnung der Hörakustiker (biha)  geht davon aus, dass die jeweiligen Ordnungsämter das Hygienekonzept der Hörakustiker vor Ort überprüfen werden. Um die Hörakustiker zu unterstützen hat die biha ein Hygienekonzept vorgelegt, das unter anderem besagt, man solle den direkten Kundenkontakt auf ein Minimum beschränken und beispielsweise bei der Ohrabdrucknahme wenig zu sprechen.

Bundesministerium

Die Informationen des Bundesministerium für Arbeit und Soziales über den Arbeitsschutz  zu Corona nehmen die Pro Akustiker sehr ernst. So regt das BAMS an, die Arbeitsabläufe so zu organisieren, dass es möglichst wenig Kontakt zwischen Mitarbeiter und Kunden gibt. Zudem sollten beide Seiten einen Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn eine Trennung durch einen Spuckschutz nicht möglich ist.

Gesundheit fördern

Der Name Hygiene stammt von der griechischen Göttin Hygieia. Sie galt als Göttin der Gesundheit und war Tochter von Asklepios, dem Gott der Medizin. Sie gab der Hygiene ihren Namen. Heute wird der Begriff umgangssprachlich mit Sauberkeit und Reinlichkeit gleichgesetzt. Im medizinischen Bereich bedeutet Hygiene, dass die Gesundheit der Menschen gefördert und erhalten wird. Dazu gibt es verschiedene Maßnahmen, die es umzusetzen gilt. So werden beispielsweise Flächen mit Desinfektionsmitteln behandelt, damit Keime und Viren abgetötet werden. So soll vermieden werden, dass sich Bakterien und Viren weiter ausbreiten und sich immer mehr Menschen mit einer Krankheit infizieren.

Medizinische Hygiene

Zur medizinischen Hygiene gehört auch, dass Instrumente desinfiziert und sterilisiert werden. Hygiene soll aber nicht nur dazu beitragen, die Infektion und Kontamination von gesunden Menschen zu verhindern, sie soll auch dafür sorgen, das Gesundheitspersonal zu schützen. Ein neuer Bereich der Hygiene ist die Gesundheitsförderung. Diese hat nicht mehr allein die Aufgabe, Krankheiten zu verhindern, sondern Dinge, die der Gesundheit zuträglich sind, zu fördern.

Der Lehrstuhl

Als Begründer der Hygiene in Deutschland gilt Max von Pettenkofer (1818-1901). 1865 erhielt er den ersten Lehrstuhl für Hygiene in München. Er entwickelte die „experimentelle“ Hygiene. Ab 1888 gab es spezielle OP-Tische, die Wäsche wurde häufiger gewechselt, Geräte sterilisiert, es gab Verbandstrommeln, Gummihandschuhe und Mundschutze wurden getragen. Die Hospitalinfektionen wurden dadurch wesentlich gesenkt.

Das RKI

Arber erst 100 Jahre nachdem von Pettenkofer seinen Lehrstuhl in München angetreten hatte, konnte sich das Fach Krankenhaushygiene im deutschen Gesundheitswesen etablieren. In den 70er Jahren wurde es eingeführt. 1976 entstand die „Richtlinie des Bundesgesundheitsamtes zur Erkennung, Verhütung und Bekämpfung von Krankenhausinfektionen“. Seitdem gibt das Robert Koch-Institut (RKI) die Lose-Blatt-Sammlung heraus.

Robert Koch

Das RKI hat seinen Namen von Robert Koch (1843-1910), dem es erstmals gelang, Bakterien zu züchten und zu färben. Er entdeckte daraufhin die Staphylokokken als Erreger von Wundinfektionen (1878), den Tuberkuloseerreger (1882) und den Choleraerreger (1884). 1905 erhielt er den Nobelpreis der Medizin.

Der Streit der Forscher

Pettenkofer und Koch verband seinerzeit einen heftigen Streit. Während Pettenkofer nicht glaubte, dass Cholera allein durch einen Erreger ausgelöst wurde, sondern die Beschaffenheit von Boden und Trinkwasser ebenfalls eine Rolle spielten, forschte Koch weiterhin an dem Erreger, der er 1884 schließlich ausmachen konnte. Pettenkofer glaubte ihm allerdings noch immer nicht und schluckte 1892 sogar eine Kultur von Cholera Bakterien, um das zu beweisen. Er kam mit einer heftigen Durchfallerkrankung davon. Dass er nicht schwerwiegender erkrankte, lag wahrscheinlich daran, dass er nach einer Erkrankung 1854 noch resistent gegen den Erreger war.

Der Positivist

Pettenkofer war ein Positivist, das heißt, dass er nur aus Experimenten gewonnene Erkenntnisse anerkannte. Er stellte auch Untersuchungen zu Kleidung, Lüftung, Kanalisation und Wasserversorgung an, sah er doch einen Zusammenhang zwischen Ausbreitung von Krankheiten und der Umgebung. Pettenkofers Nachlass wird in der Bayerischen Staatsbibliothek aufbewahrt und wissenschaftlich betreut. Für seine Verdienste nahm ihn 1900 der preußischen Orden Pour le Mérite für Wissenschaft und Künste auf.

Repro: Franz Seraph Hanfstaengl