Hallo Herbst! Warum gutes Hören jetzt umso wichtiger wird

Das Laub raschelt, windgepeitschte Wellen gurgeln ans Ufer, der Stoff von geschlossenen Sonnenschirmen flattert unruhig hin und her – der Herbst lässt von sich hören. Was? Sie hören diese Geräusche nicht? Dann wird es unbedingt Zeit für einen Hörtest. Denn in der dunklen Jahreszeit ist gutes Hören umso wichtiger.

Wenn es früher dunkel wird und die Augen als Sinnesorgan ohne zusätzliche Lichtquelle ihre Funktion immer mehr einbüßen, übernimmt das Gehör. Es warnt vor Gefahren, die das Auge nicht mehr wahrnehmen kann. Besonders im Straßenverkehr macht sich das bemerkbar.

Hören in alle Richtungen

Ob als Fußgänger, Rad- oder Autofahrer – eine sichere Orientierung im Straßenverkehr hängt vom guten Gehör ab. Geräusche von herannahenden Autos, aber auch Hupen oder ein Martinshorn müssen erkannt und lokalisiert werden. Dafür ist ein Richtungshören notwendig, das nur funktioniert, wenn beide Ohren intakt oder mit entsprechenden Hörgeräten versorgt sind. Die Partnerbetriebe des Qualitätsverbandes Pro Akustik bieten daher kostenlose Hörtests an.

Der Ausgleich im Gehirn

Unser Gehirn gleicht es bis zu einem Grad geschickt aus, wenn einer der Sinne ausfällt. Wenn die Augen ausfallen, wird das Gehör geschärft. Um das nachzuweisen, haben Neurowissenschaftler gesunde Mäuse sechs bis acht Tage in absoluter Dunkelheit gehalten. Danach konnten die Mäuse sehr viel besser hören. Sie konnten Tonhöhen besser unterscheiden und reagierten auch bei sehr geringer Lautstärke als üblich. Während der Zeit in Dunkelheit hatten sich die Neuronen der Großhirnrinde verändert. Sie hatten mehr Synapsen gebildet. Durch sie konnten Informationen schneller weitergeleitet und verarbeitet werden.

Bis zu einem gewissen Grad ist das auch bei gesunden Menschen möglich. Wenn jedoch das Gehör schon durch fortgeschrittenes Alter oder Erkrankungen in Mitleidenschaft gezogen ist, wird es immer schwieriger für das Gehirn, Verluste auszugleichen. In welchem Ausmaß Menschen ihr Gehör nutzen, ist ihnen meist nicht bewusst. 

Schleichender Hörverlust

Wer immer gut hören konnte, wird sich kaum mit komplexen Sinneswahrnehmungen auseinandergesetzt haben. Es bestand schlichtweg keine Motivation, kein Handlungszwang dazu. Ein Hörverlust ist zudem nicht von heute auf morgen vorhanden und bemerkbar. Er ist schleichend. Es kann sein, dass er zu Beginn gar nicht als solcher wahrgenommen wird.

Wenn als erstes die hohen Frequenzen wie Vogelgezwitscher oder Zischlaute wie „s“ und „f“ nicht mehr richtig gehört werden, schiebt man dies oft äußeren Umständen zu: Das Gegenüber hat dann einfach undeutlich gesprochen. Oder vereinfacht gesagt: Der Vogel, den man nicht sieht und dann auch nicht hört, ist schlichtweg nicht vorhanden. Auch aus diesem Grund raten die Experten der Pro Akustik dazu, regelmäßig sein Gehör überprüfen zu lassen.

Foto: StockSnap/Pixabay