Beethoven als Brückenbauer zwischen Hörenden und Tauben

Langsam kam sie, die Stille. Beethoven ertaubte sukzessive. Ein neuer Film zeichnet die Stationen der Stille nach. Die Dreharbeiten beginnen jetzt.

Eine gehörlose Tänzerin als Hauptdarstellerin

Wie fühlt es sich an, wenn man als gehörlose Tänzerin Musik von Ludwig van Beethoven interpretiert? Kassandra Wedel wird es nachspüren, wenn sie das Werk „Beethoven? Der erlösende Fehler“ von Helmuth Oehring  interpretieren wird. In dem Stück thematisiert Oehring, selbst Sohn von gehörlosen Eltern, die zunehmende Ertaubung des Weltstars, der im vergangenen Jahr 250 Jahre alt geworden wäre.

Beethoven, der Brückenmensch

„Sprecht lauter, schrejt, denn ich bin taub!“, soll der Musiker gefordert haben. Sein sukzessiver Hörverlust steht im Zentrum dieses einzigartigen audiovisuellen Werkes für die gehörlose Tänzerin Kassandra Wedel und das Ensemble Musikfabrik. Oehring sieht Beethoven als „Brückenmenschen“, als Vermittler zwischen den Hörenden und den Tauben. Er bewegt sich zwischen den Welten. Die Musik ist sein Mittel, diese zu überbrücken.

Eine taube Tänzerin

Als Brückenmenschen verstehen sich auch Kassandra Wedel, die mit vier Jahren durch einen Unfall ertaubte, und Helmuth Oehring, der als Sohn gehörloser Eltern die Gebärdensprache als seine Muttersprache ansieht. „Ich bin vertraut mit den kommunikativen, psychischen wie sozialen Strategien des Umgangs Gehörloser in einer hörenden Welt“, sagt Oehring: „Was das Ertauben Beethovens für ihn als Menschen und Komponisten bedeutete und zur Folge hatte, unabhängig von dem Erlernen oder Ersterben verschiedenster Kommunikationsmechanismen und -taktiken, können wir Hörenden uns nicht vorstellen. Das ist eine Dimension von Stille, die wir Hörenden gar nicht ermessen können.“

Von der Bühne zum Film

Gebärdensprache, Musik, Briefzitate, Interaktionen von Tanz und Film – die Bühnenversion war eigentlich als Live-Inszenierung anlässlich des 250sten Geburtstags des schwerhörigen Weltstars geplant gewesen. Aufgrund der Corona-Pandemie mussten die Organisatoren, die Beethoven Jubiläums GmbH BTHVN 2020, aber viele Veranstaltungen absagen – so auch diese Aufführung, die am 30. Mai 2020 in der Bundeskunsthalle in Bonn hätte gezeigt werden sollen. Doch ganz verschwinden soll das Projekt nicht: Es wird zu einem Film verarbeitet.

Dreharbeiten beginnen

Die Dreharbeiten sollen Ende Mai im Mediapark Köln beginnen. Im Herbst 2021 soll der Film dann ausgestrahlt werden. Ihr Pro Akustiker  hätte Beethoven  übrigens wahrscheinlich helfen können. Wenden Sie sich gerne vertrauensvoll an ihn, wenn Sie eine Hörminderung bei sich oder Ihren Mitmenschen vermuten.

Foto: Helmut Oehring

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