Hörgeräte sollen Verarbeitungsprozesse des Gehirns simulieren

09.06.2017

Mit Hilfe neuer Erkenntnisse der Hörverarbeitung im Gehirn wollen dänische Forscher in Zukunft Hörgeräte bauen, die ein natürliches Hören nachahmen. So soll zum Beispiel der "Cocktail-Party-Effekt" vermieden werden. Erste Ansätze gibt es bereits.

Wer Hörgeräte trägt, kennt das Problem. Befindet man sich in einem Raum mit vielen Menschen, die alle durcheinander sprechen, lassen sich die einzelnen Stimmen nur schwer unterscheiden. Diesen Effekt nennt man das Cocktail-Party-Syndrom. Wissenschaftler in Dänemark arbeiten an Hörgeräten, die diesen Effekt vermeiden. Diese neuen Hörsysteme sollen dem Hörzentrum im Gehirn Signale liefern, wie es bei Menschen ohne Hörverlust der Fall ist. Der Traum sei es, ein Hörgerät zu entwickeln, das Klang in der gleichen Weise reproduzieren könne wie Sprache und andere Schallsignale beim normalen Hören wahrgenommen werden, erklärt Professor Torsten Dau an der dänischen Technischen Universität in Lyngby.

Hörgeräte sollen erkennen, was wir hören wollen

Ein wesentliches Problem sei, die Hörgeräte-Technologie so weiter zu entwickeln, dass sie erkenne, was der Hörgeräte-Träger hören will und genau diese Schallsignale verstärke. „Wir haben alle schon in der Kantine gesessen und versucht zu hören, was am Nachbartisch gesprochen wird. Während wir gleichzeitig ausblenden, was unsere Sitznachbarn sagen“, sagt Dau. Dabei profitieren wir von der Leistungsfähigkeit des Hörzentrums im Gehirn, in dem die eintreffenden Signale verarbeitet werden.


Ein Hörgerät kann diesen Prozess bislang nur bedingt simulieren. Es erkennt nicht automatisch, was der Träger hören möchte und was er nicht hören möchte. Um Hörgeräte zu bauen, die diese Fähigkeit besitzen, müssen weitere Erkenntnisse aus der Hirnforschung vorliegen. Sie dienen zur Entwicklung von mathematischen Modellen, mit denen sich der komplette Prozess der Hörverarbeitung bei Normalhörenden simulieren lässt und schließlich in Hörsystemen abbilden. Erste Ansätze, wie das möglich sein kann, hat der dänische Hörgeräte-Hersteller Oticon bereits in seinen neuen Hörsystemen umgesetzt.

Mit dem Hörsystem ins Internet 

Finn Möhring, Vice President Forschung und Entwicklung bei Oticon, ist sicher, dass sich Hörgeräte bald auch mit dem Internet der Dinge verbinden werden. Erste Visionen, wie das aussehen kann, hat Oticon bereits auf der amerikanischen Computermesse CES im Januar in Las Vegas vorgestellt. So könnten Hörgeräte zum persönlichen Assistenten werden, die auf Anfrage Telefonnummern im Internet suchen oder automatisch erkennen, ob der Nutzer einer Lesung zuhört oder dem Fernseher. 

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