Warum ein bisschen Science Fiction auch im Hörakustik-Handwerk steckt

15.01.2019

Sie wollen in die Ferien fahren, sprechen aber die Sprache am Urlaubsziel nicht? Mit einigen Hörgeräten ist das kein Problem mehr. Neue Modelle lassen sich mit einer Smartphone-App verbinden, die als Simultan-Dolmetscher in Echtzeit die fremde Sprache direkt ins Ohr übersetzt. Was sich anhört wie aus dem Science Fiction-Film, ist längst nicht alles, was die kleinen Systeme können.

Hörakustiker sind Experten für die hoch moderne Technik. Ein Hörakustiker muss Technik-Experte sein und sich auf jeden Kunden einstellen, um ein Verständnis für dessen Hörvermögen zu entwickeln. Kurz gesagt: er muss Mensch und Technik zusammenbringen. Das ist schwerer, als es sich anhört. Denn wenn ein Mensch schlechter hört, verändert sich in kurzer Zeit auch seine Hör-Wahrnehmung. Die lässt sich auch mit dem besten Hörgerät nicht von null auf hundert zurückbringen. Der Grund: Hören ist eine Hirnleistung. Hat das Gehirn erstmal verlernt, wie sich zum Beispiel ein Kühlschrank anhört oder der Straßenverkehr, muss es erst wieder lernen, diese Geräusche richtig zu interpretieren. Sie können sich sonst viel zu schrill und laut anhören. Wird der Hörverlust mit einem Hörgerät ausgeglichen, gehen erfahrene Hörakustiker schrittweise vor, um das Gehör ihrer Kunden nicht zu überfordern.

Fernwartung über die Cloud

Zeit ist dabei ein wichtiger Aspekt. Der Beratungs- und Anpassungsprozess kann Monate dauern, in denen die Hörgeräte immer wieder nachjustiert werden. Kleine Veränderungen der Anpassung lassen sich mit den modernen Hörsystemen sogar per Fernwartung vornehmen. Sind sie mit einer App auf dem Smartphone oder Tablet vernetzt, kann der Hörakustiker die Einstellung verändern, ohne das der Kunde in den Laden kommen muss. Die App dient als Bindeglied, über die sowohl das Problem geschildert wird wie die veränderte Einstellung auf die Hörgeräte geladen werden kann. Der Clou: Der Kunde kann die neue und die ursprüngliche Einstellung vergleichen und so selbst entscheiden, welche Einstellung für ihn besser passt.

Machine Learning für individuellen Hörkomfort

Auch das Thema Künstliche Intelligenz oder, genauer formuliert, Machine Learning, ist bereits in Hörsystemen angekommen. Beim lernenden Hörsystem „merkt“ sich die Technik, welche Einstellungen in bestimmten Hörumgebungen am besten für den Kunden funktioniert haben, um zum Beispiel Sprache so gut wie möglich zu verstehen. Dafür muss das Hörgerät unter Umständen gleichzeitig Störgeräusche reduzieren und Sprache verstärken.

Moderne Hörsysteme können noch mehr. Aus vielen Untersuchungen ist bekannt, womit die Menschen ihre Zeit verbringen. Zum Beispiel sitzen wir immer länger vor dem Bildschirm, ob es sich um den Fernseher handelt, den Computer oder das Tablet. Sind die Geräte mit Bluetooth ausgestattet, lässt sich der Ton direkt auf die Hörgeräte streamen.

Vom Hilfsmittel zum Fitnesstracker

Fitness-Apps könnten Hörgeräte bereits in naher Zukunft zum echten Lifestyle-Accessoire machen. Mit entsprechenden Sensoren ausgestattet, gibt es sogar schon die Möglichkeit, sie als Fitnesstracker zu verwenden. Über eine entsprechende App lassen sich damit die gelaufenen Schritte zählen und erfassen.

Viele neue und bereits in Ansätzen vorhandene Funktionen von modernen Hörsystemen kommen Science Fiction damit schon ziemlich nahe.

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