Volkskrankheit Tinnitus

Plötzlich ist es da. Ein Geräusch, das keine Schallquelle hat. Ein Brummen, ein Zischen, ein Rauschen, Knacken oder Klopfen. In welcher Geräuschform der Tinnitus auftritt, hängt ganz von der Person ab, die ihn hört. Doch so unterschiedlich die Geräusche auch sein mögen, eins haben sie gemeinsam: eine Geräuschquelle fehlt.

Subjektiver Tinnitus

Tinnitus ist inzwischen zur Volkskrankheit geworden. 90 Prozent der Patienten, die unter einem Tinnitus leiden, beklagen einen subjektiven Tinnitus. Nur sie hören das Ohrgeräusch, das ihnen zu schaffen macht. Als Symptome schildern sie Geräusche wie Klingeln, Knacken, Rauschen, Knistern, Zischen oder auch Klopfen. Als Begleiterscheinungen leiden sie unter Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten, haben Schlafprobleme und Nackenverspannungen oder Kiefergelenksbeschwerden. Die Ursachen für diese Art von Tinnitus können vielfältig sein. Sie reichen von Stress über Mittelohrentzündungen, Ohrenschmalz bis hin zu einem Fremdkörper im Gehörgang.

Objektiver Tinnitus

Bei lediglich zehn Prozent der Patienten kann eine Quelle für den Tinnitus ausgemacht werden. Diese ist messbar und kann nachgewiesen werden. Meist liegt eine Funktionsstörung im Innenohr vor. Es können aber auch Atemgeräusche oder auch Strömungsgeräusche in den Arterien oder Venen sein, die der Patient wahrnimmt. Dies ist gar nicht so unwahrscheinlich. Wenn Menschen wenige Minuten in einer lautlosen, schallisolierten Kabine verbringen, kann man künstlich einen Tinnitus erzeugen – es ist so leise, dass diese Menschen ihr eigenes Blut rauschen hören. Wenn man beispielsweise eine große Muschel ans Ohr hält, kann man diesen Effekt ebenfalls hervorrufen.

Volkskrankheit Tinnitus

Im Laufe des Lebens sind ein Viertel der Menschen in Industrieländern von einem Tinnitus betroffen. Mindestens einmal im Leben leidet jeder siebte Mensch in Deutschland, Österreich und der Schweiz an Ohrengeräuschen. Dabei unterscheidet man einen akuten von einem chronischen Tinnitus. Ein akuter Tinnitus dauert bis zu drei Monaten. Alles, was darüber zeitlich hinaus geht, kann man als chronisch bezeichnen. Hauptursache für den Tinnitus ist meist Stress.

Diagnose

Der Hals-Nasen-Ohrenarzt wird zunächst feststellen wollen, was der Auslöser für den Tinnitus sein könnte. Dabei wird er den Patienten körperlich untersuchen, aber auch eine Reihe von Fragen stellen, um die Lebensgewohnheiten des Patienten kennenzulernen. Diese Fragen sind enorm wichtig, gilt Stress doch als eine der Hauptursachen für Tinnitus.

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung wird der HNO-Arzt zunächst den Gehörgang und das Trommelfell in Augenschein nehmen. So kann er beispielsweise feststellen, ob ein Loch in der Membran vorhanden ist oder sich zu viel Ohrenschmalz davor abgelagert hat. Auch das kann zu Ohrengeräuschen führen. Da Ohren, Hals und Rachen miteinander verbunden sind, wird er auch diese Teile untersuchen, um eine Erkrankung auszuschließen.

Therapie und Vorbeugung

Übermäßiger Stress und Lärm gelten als Hauptursache für Tinnitus. Ein paar Tage Ruhe und Medikamente (unter anderem Cortison, Vitamin C und Magnesium) helfen daher meistens schon. Wenn Stresspatienten weiterhin gefährdet sind, empfehlen sich eine Verhaltens- oder auch Musiktherapie, Physiotherapie oder eine magnetische und elektrische Stimulation des Gehirns. Manchmal verschwindet der Tinnitus auch nach ein oder zwei Tage von selbst. Um Tinnitus vorzubeugen, hilft es, in Lärmsituationen einen Gehörschutz zu tragen. Entspannungstechniken tragen dazu bei, den Stresspegel möglichst gering zu halten.