Welches Geheimnis Mirsolav Nemec lange für sich behielt

Es war mitten in der Nacht. In einem Wald drehte das Team mit Miroslav Nemec eine Szene, als es plötzlich passierte. „Das linke Ohr ging zu“, erinnert sich Miroslav Nemec. Der Schauspieler, der vielen Zuschauern als „Tatort“-Kommissar Ivo Batic bekannt ist, hörte auf der einen Seite nichts mehr – ein klassischer Hörsturz. Während des weltweit größten Hörakustiker-Kongresses, der EUHA in Nürnberg, berichtete der Star nun, wie er so zum Hörgeräte-Träger, wurde, obwohl ihm das zu Anfang gar nicht so lieb war.

„Klar, dass ich kein Hörgerät brauchte“

„Ist doch klar, auch ich war der Meinung: Hörgeräte brauche ich nicht“, sagt Nemec und fügt nicht ohne Selbstironie hinzu: „Genauso wenig, wie ich eine Brille brauchte.“ Inzwischen hat er beides – Brille wie Hörhilfen, die ihm sein Leben erleichtern. Heute möchte er beides nicht mehr missen, zumal die Hörsysteme ihm nicht nur wieder einen Zugang zur alten Welt, sondern auch neue Möglichkeiten eröffnen, beispielsweise zu telefonieren, ohne ein Handy in der Hand halten zu müssen.

„Man hört, was man vergessen hat“

„Das Tolle ist auch, dass man mehr hört, als man im Laufe der Zeit verlernt oder vergessen hat“, erklärt er. Das ist ein Phänomen, das die Wissenschaft bereits erforscht. Die Forscher gehen davon aus, dass die Verarbeitung von Informationen darauf basiert, dass Nervenzellen miteinander Verbindungen eingehen. Das tun sie aber nur, wenn sie gefordert werden. Dazu brauchen sie Anreize. Wenn sie Neues hören, bekommen sie diesen Reiz. Tun sie das nicht, verkümmern sie.

„Es ist etwas, was man verheimlichen möchte“

Trotzdem verdrängte Nemec lange die Tatsache, dass er auf der einen Seite nicht mehr gut hören konnte. „Es ist ja etwas, was man gern verheimlichen möchte“, sagt der Schauspieler, „was aber total Quatsch ist. Die Menschen tragen ja auch Brillen, warum sollte eine Hörhilfe da einen anderen Stellenwert haben“? Hörsysteme sollten genauso selbstverständlich werden wie Brillen. Ob es jemals einen Tatort-Kommissar mit Hörsystem geben wird? „Das hat der Sender zu entscheiden“, sagt Nemec. Aber, wer weiß, eine Brille durfte er in einer Folge als Ivo Batic schon tragen.

Hörsturz bei Dreharbeiten

Die Dreharbeiten im Wald 2004, die ihn letztendlich zum Hörgeräte-Träger machten, wird er nicht so schnell vergessen. „Es kam eine Ärztin ans Set, die mir Cortison spritzte“, berichtet der 65-Jährige. Seine Frau brachte ihn dann um 2 Uhr früh in die Klinik. „Ich hatte einen Einbruch in dem oberen Hörbereich“, sagt Nemec und fügt hinzu: „Ich habe lange versucht, damit zu leben.“ Doch es wurde immer schwieriger. In einer Gruppe, in der sich alle unterhielten, bekam er nur die Hälfte mit. „Man nickt dann zwar und sagt Aha, ja, interessant‘, aber dann dreht man sich um und fragt, was hat er gesagt?‘“, erinnert sich der Schauspiel-Star, der dann die Entscheidung traf: So geht es nicht weiter. Gleichzeitig fragte die Firma Signia an, ob er einmal Hörgeräte testen wolle. „Das war eine Koinzidenz, die zur richtigen Zeit kam.“

Schnell an neue Hilfen gewöhnt

Lange Zeit hat es nicht gedauert, bis er sich an die neuen Hilfen gewöhnt hatte. „Ich fühlte mich in meine Jugendzeit versetzt“, sagt er glücklich. Plötzlich war wieder seine Umgebung erhör- und erlebbar. „Als ich das erste Mal mit meinen Hörhilfen auf die Straße trat, war ich sogar etwas erschrocken“, gibt Nemec zu. Alles war so laut, etwas zu laut. „Auch im Zug dachte ich: Meine Güte, müssen die so laut telefonieren?‘“ Doch schon nach kurzer Zeit gewöhnte er sich an die neuen Hilfen, die seine Hörakustikerin in München optimal einstellte. Das ist nicht unwichtig für den Schauspieler, der zudem noch in mehreren Bands Musik macht. Gerade in diesem Bereich kommt es auf eine sorgfältige Abstimmung an. Inzwischen trägt er seine Hörsysteme täglich – und das sehr gern. Als „Botschafter des Hörens“ macht er Werbung für sie – und dafür, sich nicht zu schämen, wenn man plötzlich mit Hilfe wieder besser hört.