Kleine Hilfe, große Wirkung: So funktionieren Paukenröhrchen

Es ist nur 1,2 bis 1,5 Millimeter klein, hat aber eine große Wirkung: das Paukenröhrchen. Wem es helfen kann und wann es der Hals-Nasen-Ohrenarzt einsetzen wird, hängt von einigen Faktoren ab.

Die Verbindung zwischen Nase und Ohr

Das Mittelohr und der Nasen-Rachenraum sind durch die Eustachische Röhre miteinander verbunden. Bei den Patienten, die häufig Schnupfen oder Nasennebenhöhlenentzündungen haben, kann es vorkommen, dass das Sekret nicht mehr richtig abfließen kann. Die Eustachische Röhre verschließt; es kommt zum Paukenerguss, das heißt im Innenohr hat sich hinter dem Trommelfell Flüssigkeit angesammelt, die nicht abfließen kann.

Warum Kinder besonders betroffen sind

Da bei Kindern die Eustachische Röhre noch kurz ist, kann sie schneller verschließen. Dementsprechend leiden Kinder häufiger unter einem Paukenerguss als Erwachsene. Bis zum Schulalter haben mindestens 80 Prozent aller Jungen und Mädchen einmal einen Paukenerguss. Ein Paukenerguss ist allerdings nicht mit einer Mittelohrentzündung zu verwechseln. Häufig entsteht er nach einer Mittelohrentzündung, wenn die Schleimhäute mehr Sekret produzieren und dieses nicht abfließen kann. Während Mittelohrentzündungen sehr schmerzhaft sind, sind es Paukenergüsse in der Regel nicht. Dennoch sollten sie behandelt werden.

Schlechteres Hören

Durch die Ansammlung von Sekret hinter dem Trommelfell können die Patienten weitaus schlechter hören. Der durchschnittliche Hörverlust bei einem Paukenerguss ist nicht zu unterschätzen. Er beträgt zwischen 20 und 30 Dezibel. Die Betroffenen hören nicht nur sehr viel schlechter, sie fallen auch dadurch auf, dass sie laut sprechen, und reagieren oft nicht auf leisere Geräusche. Auf Dauer können Paukenergüsse gerade bei kleineren Kindern das Hörvermögen und dementsprechend auch die Sprachentwicklung beeinträchtigen.

Zum HNO-Arzt

Besteht der Verdacht, dass ein Kind unter chronischen Paukenergüssen leidet, sollten die Eltern mit ihm zum HNO- und nicht zum Kinderarzt gehen. Ein HNO-Arzt hat die entsprechenden Instrumente, um einen Paukenerguss zu erkennen und zu behandeln. Zunächst kann er über konservative Therapien wie beispielsweise abschwellende Nasentropfen oder Inhalation für eine bessere Belüftung des Innenohrs sorgen. Ein Antibiotikum zu geben, ist zwecklos, da es sich im Gegensatz zu einer Mittelohrentzündung nicht um eine von Bakterien hervorgerufene Erkrankung handelt.

Einsatz vom Paukenröhrchen

Wenn diese konservative Therapie nach drei Monaten keinen Erfolg zeigt, wird der HNO-Arzt den Einsatz eines Paukenröhrchens vorschlagen. Dies ist ein kleines Röhrchen in Spindelform. Es wird ins Trommelfell eingesetzt. Meist geschieht das unter einer kurzen Vollnarkose. Der Operateur macht zum Einsetzen einen kleinen Schnitt im Trommelfell, saugt die Flüssigkeit ab und platziert das Röhrchen.

Risiken

Bis auf die üblichen Risiken, die mit einer Vollnarkose verbunden sind, ist das Einsetzen eines Paukenröhrchens harmlos. Nur sehr selten werden Nerven oder Blutgefäße dauerhaft verletzt. Es ist meist so, dass das Trommelfell das Paukenröhrchen nach einem Jahr von selbst abstößt und wieder zuwächst. Ist bis dahin der chronische Paukenerguss nicht ausgeheilt, wird der HNO-Arzt ein neues Röhrchen einsetzen. Bei 80 Prozent der kleinen Patienten ist die Erkrankung ausgeheilt.

Wasserspaß mit Paukenröhrchen?

Wenn Kinder ein Paukenröhrchen bekommen, sollten sie Eltern darauf achten, dass das Ohr vor eindringendem Wasser geschützt wird. Dadurch, dass das Paukenröhrchen eine offene Verbindung zum Mittelohr herstellt, kann Wasser leichter eindringen und eine schmerzhafte Mittelohrentzündung verursachen.

Gehörschutz und Otoplastik

Neben Wasser- und Spritzschutz für Ohren aus Sportgeschäften sind Otoplastiken, die ein Hörakustiker anfertigt, eine sehr sinnvolle Investition. Der Pro Akustiker in Ihrer Nähe wird dazu eine Abformung des Innenohrs ihres Kindes abnehmen und daraus eine individuelle Otoplastik anfertigen. Dieser Gehörschutz riegelt den Gehörgang vom eindringenden Wasser ab, gleichzeitig ist es aber möglich, Geräusche zu hören.

Foto: Klimkin/Pixabay