Mit Hörgerät in den Kindergarten – worauf ist zu achten?

Es hört sich einfach an: Ein hörgeschädigtes Kind kommt in eine Kindertagesstätte mit normalhörenden Jungen und Mädchen, kann dort mit ihnen Zeit verbringen, gemeinsam spielen, lachen – und nicht zuletzt auch von ihnen lernen. Inklusion wird inzwischen in vielen Bereichen groß geschrieben. Für Eltern eines hörgeschädigten Kindes steht ein weiterer Aspekt bei der Wahl einer herkömmlichen Kita oft im Vordergrund: Wie andere Eltern auch möchten sie eine wohnortnahe Einrichtung und hoffen, dass die sozialen Kontakte, die bereits vorhanden sind, bestehen bleiben und sich neue Freundschaften in der unmittelbaren Umgebung entwickeln. Zudem entfallen lange Anfahrtswege zu Sonderpädagogischen Einrichtungen.

Impulse für die Sprachentwicklung

Nicht zuletzt erhoffen sich viele Eltern, dass ihre hörgeschädigten Kinder auch sprachliche Impulse für seine Entwicklung erhalten. Warum also nicht? Schließlich ist Inklusion inzwischen in allen Bereichen des täglichen Lebens ein Thema. Damit die Erwartungen an den Erfolg des Kita-Besuchs nicht von Anfang an enttäuscht werden, sollten sich Eltern und Erzieher auf die veränderte Situation einstellen.

Veränderungen in der Gruppe

Wenn ein hörgeschädigtes Kind in eine neue Gruppe normalhörender Kinder kommt, bringt dies Veränderungen mit sich. Ein Hörverlust kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Zu beachten ist, dass dieser sich immer auch auf den Spracherwerb auswirkt. Das bedeutet für die Mitmenschen in der Umgebung: Es kann sein, dass das hörgeschädigte Kind Worte anders betont und zunächst schwer verständlich erscheint, was es sagt. Erzieher und Kinder müssen sich Zeit geben, sich in die Sprachmelodie und den jeweiligen Tonfall einzuhören. Geduld und Empathie sind gefragt. Sonst führt es beiderseitig schnell zu Frustrationen.

Art des Hörverlustes ist entscheidend

Zudem kommt es ganz auf die Art des Hörverlustes an. Hat das Kind von Geburt an einen Hörverlust, ist die Kommunikation mit einer gut hörenden Umgebung oftmals gestört und der Spracherwerb des Kindes dadurch beeinträchtigt. Wenn es noch einen Rest an Hörvermögen bei dem Kind gibt, kann eine sehr gute hörtechnische Versorgung dazu beitragen, Fehlentwicklungen auszugleichen. Unter den Mitgliedern des Verbandes Pro Akustik gibt es Spezialisten, so genannte Pädakustiker, die eine Zusatzausbildung durchlaufen haben und mit der Versorgung von Kindern vertraut sind. Die richtige Versorgung des Kindes mit Hörgeräten sollte bereits erfolgt sein, bevor das Kind in eine Regel-Kita kommt.

Die Vorbereitung

Schon im Vorfeld sollten die Eltern nicht nur ihrem Kind die Situation schildern, die das Kind erwartet: Erzieher und auch normalhörende Kinder in der Gruppe sollten vorab informiert werden. Es ist für viele kleine Kinder schon ein großer Schritt, getrennt von der Familie mit anderen Jungen und Mädchen über einen relativ großen Zeitraum hinweg zusammen zu sein – erst recht, wenn diese Menschen noch andere Voraussetzungen haben als man selbst. Hörgeschädigte Kinder sollten darauf vorbereitet sein, dass andere Kinder auf sie zunächst mit Unverständnis reagieren könnten. Sie sollten wissen, dass diese neuen Menschen in ihrer Umgebung Zeit brauchen, um sich auf die Situation einzustellen, dass sie anders hören, anders ihre Sprache wahrnehmen.

Gefahrenquellen benennen

Eltern sollten aber auch den Pädagogen einige Dinge im Vorfeld erklären. Sie sollten ihnen auch die Technik der kleinen Minicomputer grob erklären, um Unsicherheiten vorzubeugen. So ist es für Eltern von hörgeschädigten Kindern oft selbstverständlich, dass Hörgeräte vor Feuchtigkeit, Verschmutzung und Stößen geschützt werden müssen. Sie sollten die Pädagogen auf potenzielle Gefahrenquellen wie Bällebäder, Plastikrutschen oder beim Spielen mit Kunststoffpolstern oder -Tonnen hinweisen. Auch die normal hörenden Kinder in der Gruppe sollten darüber informiert werden, warum das neue Kind vielleicht nicht so spricht wie sie selbst und was es hinter dem Ohr für ein Ding trägt.

Im Alltag

Wenn der Kindergartenbesuch zum Alltag geworden ist, sollten alle Beteiligten dennoch immer darauf achten, dass es für ein hörgeschädigtes Kind unter Umständen schwieriger sein kann, in einer Gruppe alles mitzubekommen. Wichtig ist es, das Kind beim Sprechen anzuschauen und Gesagtes eventuell zu wiederholen. Wenn größere Gruppen zusammen sind, fällt es Jungen und Mädchen mit Hörbeeinträchtigungen oft schwerer, einzelnen Gesprächen zuhören zu können. Dann ist es ratsam, kleinere Gesprächssituationen zu schaffen. Das Kind benötigt dann auch eine direkte Ansprache. Je weniger Störlärm es gibt, desto besser für das Verständnis. Wenn es die räumliche Situation zulässt, ist es schön, wenn hörgeschädigte Kinder die Möglichkeit haben, sich mit einer kleinen Gruppe anderer Kinder zurückzuziehen.

Geduld und Zeit

Die Sprachentwicklung von hörgeschädigten Jungen und Mädchen im Kindergartenalter kann ganz unterschiedlich sein. Oftmals müssen sich Erzieher und normalhörende Kinder in die Sprache des gehandicapten Kindes einhören. Bilder erleichtern oft die Kommunikation, da das Sehen beim Verstehen des Gehörten hilft. Ebenso hilfreich sind sprachliche Rituale wie das gemeinsame Begrüßen am Morgen oder die Verabschiedung.

Tipps für den Umgang

Neben den Aspekten, dass man deutlich, aber nicht unbedingt lauter sprechen und dabei Blickkontakt halten sollte, ist es oft auch ratsam, das Gesagte zu wiederholen. Erzieher sollten lieber mehrere kurze Sätze als eine Aufforderung nutzen. Ein Beispiel. Wenn ein Pädagoge sagt: „Komm, lass uns nach draußen spielen gehen.“ Kann es sein, dass das hörgeschädigte Kind weniger versteht, wie wenn er sagen würde: „Komm Mia, draußen scheint die Sonne. Wir könnten schaukeln oder im Sandkasten spielen. Lass uns unsere Jacken anziehen und mit den anderen Kindern draußen spielen.“ Je mehr Worte benutzte werden, desto besser für das hörgeschädigte Kind. Es wird sich aus den Satzteilen, die es versteht, einen Sinnzusammenhang schaffen und das Gesagte eher verstehen. Zudem sollte man hörgeschädigte Kinder immer mit Namen ansprechen, damit auch für sie eindeutig ist, wen man meint. Zudem sollte immer klar sein, um welches Thema es gerade geht.

Foto: Tolmacheo/Pixabay