Warum Hörakustik-Azubis im Vorteil sind

Sie würde es wieder tun. Auch wenn Rike Voortmann zunächst gar nicht so genau wusste, was sie als Hörakustik-Azubi erwarten würde. Doch heute ist sich die 19-Jährige sicher: Es war die beste Entscheidung, die sie treffen konnte.

Sehr gute Zukunftsperspektiven

So wie Rike Voortmann geht es vielen jungen Menschen: Vom Beruf des Hörakustikers haben die wenigsten gehört. Dabei ist gerade dieser Beruf einer mit sehr guten Zukunftsaussichten. Die Branche boomt. Die Gesellschaft altert. Immer mehr Menschen müssen in Zukunft mit Hörgeräten versorgt werden. Hörakustiker werden gesucht. Wer nach drei Jahren die Gesellenprüfung besteht, hat meist schon einen festen Job in der Tasche. Arbeitslose Hörakustiker in Deutschland? Gibt es selten.

Ganz anders als gedacht

Einen Bekannten ihrer Mutter hat Rike Voortmann auf die Idee gebracht, sich den Beruf des Hörakustikers einmal genauer anzusehen. „Ich wusste nicht wirklich viel über den Beruf“, sagt sie. Die Abiturientin aus Essen machte ein Praktikum – und war begeistert. „Ich dachte zu Anfang, es würde etwas steifer zugehen – schließlich hat man überwiegend mit älteren Menschen zu tun“, erklärt Rike Voortmann: „Aber das war gar nicht so. Es war total entspannt.“ Und nach dem Praktikum stand für sie fest: Ich bewerbe mich um einen Ausbildungsplatz als Hörakustikerin.

1000 Azubis pro Jahr

15.000 Hörakustiker versorgen laut Bundesinnung der Hörakustiker (biha) deutschlandweit hörbeeinträchtigte Menschen. In jedem Jahr beginnen rund 1000 junge Menschen mit ihrer Ausbildung und erhalten an der „Bundesoffenen Landesberufsschule für Hörakustiker und Hörakustikerinnen“ in Lübeck ihren theoretischen Unterricht. Die Betriebe, die dem Verband Pro Akustik angeschlossen sind, stellen seit 2010 eigene Klassen. Aktuell gibt es 139 Pro Akustik-Schüler in sechs Klassen. In diesem Jahr beginnen 29 weitere Azubis ihre Ausbildung.

Umfassende Ausbildung

Rike Voortmann ist bei Hörsysteme Wessling Azubi. Ansgar Wessling gehört seit Jahren dem Verband an, der sich nicht nur für eine qualitativ hochwertige Versorgung der Kunden steht, sondern auch für eine umfassende Ausbildung der Azubis. So organisiert die Pro Akustik eigene Einführungskurse, in denen sich die neuen Azubis eines Jahrgangs schon vor Beginn des Blockunterrichts in Lübeck kennenlernen können. Das zusätzliche Engagement umfasst beispielsweise auch das Auftreten vor dem Kunden oder eine Typberatung.

Freundschaften fürs Leben

In der Schule in Lübeck verbringen die Azubis in den drei Ausbildungsjahren acht Unterrichtsblöcke zu jeweils vier Wochen. Da Auszubildende des Hörakustik-Handwerks aus ganz Deutschland in Lübeck die Schulbank drücken, ist die Hansestadt im Norden das heimliche Mekka der Akustikbranche. Dort werden Freundschaften geknüpft, die oft ein Leben lang halten. „Die Schule in Lübeck ist super. Da lernt man coole neue Leute im selben Alter kennen und lernt jeden Tag etwas Neues“, berichtet die 19-Jährige. Der Unterricht sei fordernd, aber auch interessant und betriebsnah. Zudem gibt es ein umfangreiches Sportangebot für die Zeit, die man außerhalb des Unterrichts zur Verfügung hat.

Die Voraussetzungen

Wer sich für den Beruf des Hörakustikers interessiert, sollte sich schon für technische und digitale Zusammenhänge und auch für medizinische Dinge interessieren. Ein Genie in Physik braucht aber niemand zu sein. Auch ein Abitur ist nicht zwingend Voraussetzung. Ein Realschulabschluss reicht aus. Eins sollten junge Menschen, die sich für den Beruf interessieren, aber besitzen: Einfühlungsvermögen, Geduld und Kommunikationsstärke.

Der Kundenkontakt

„Man sollte bedenken, dass man viel mit dem Kunden arbeitet und auch am und im Ohr“, erklärt Rike Voortmann. Wer einen Bürojob wolle, der sei fehl am Platze. Der 19-Jährigen macht hingegen der Umgang mit den Kunden besonders Freude. „Diese über Wochen zu begleiten und zu sehen, wie unsere Arbeit den Kunden wieder Lebensqualität zurück gibt, ist ein tolles Gefühl!“ Doch nicht nur das ist es, was die Auszubildende begeistert: Es ist die Abwechslung, die ein Arbeitstag mit sich bringt.

Abwechslungsreiche Arbeitstage

„Ein typischer Tag bei Hörsysteme Wessling ge­staltet sich sehr abwechslungsreich“, sagt Rike Voortmann: „Ich kümmere mich um den Postein- und -ausgang sowie um den Versand von Reparaturen. Ich telefoniere mit Kunden, vereinbare Termine für meine Kollegen und nehme selbst an Kundenterminen teil. Ich mache Hörmessungen, nehme Abformungen von den Ohren und darf auch bei den Beratungen und weiteren Messungen mithelfen und zuschau­en. Des Weiteren arbeite ich in unserem haus­eigenen Labor, repariere und reinige Hörgeräte und übe regelmäßig eigene Ohrpassstücke zu fräsen. Im Büro dokumentiere ich am Computer meine eigene Kundenarbeit, kann die Hörgeräte­einstellung programmieren und anpassen sowie auf unser Lager zugreifen und Geräte einbuchen.“

Ausbildungsbeginn

Seit August ist Rike Voortmann im zweiten Ausbildungsjahr. Sie freut sich jetzt schon auf die Zeit auf dem Campus Hörakustik in Lübeck. Natürlich hat die Schule alles getan, um auch in Corona-Zeiten die größtmögliche Sicherheit für Schüler und Lehrer, Mitarbeiter auf dem Campus und in Mensa und Internat gewährleisten zu können. Und ja, sie würde es wieder tun, Sie würde sich wieder bewerben. Inzwischen weiß Rike Voortmann, welch großartiger Beruf der des Hörakustikers ist. Ein Beruf, von dem sie zu Anfang kaum etwas wusste, der sie dann aber immer mehr begeistert hat. Und was ist ihr nächstes Ziel? „Ich interessiere mich für die Versorgung von Kindern“, sagt die 19-Jährige. Eine Zusatzausbildung als Pädakustikerin könnte sie sich sehr gut vorstellen.