Als Emma wieder hören konnte

Katharina Libert-Meyer hat vier Kinder. Die beiden Mittelkinder sind schwerhörig. Bis das bei Emma offiziell erkannt wurde und die inzwischen Zwölfjährige mit Hörgeräten versorgt wurde, war es ein langer Weg. Dass dieser sehr erfolgreich beschritten wurde und wird, liegt auch an Hörakustik-Meister und Pädakustiker Kim Holst.

Hindernisse, Missverständnisse, falsche Diagnosen

Manchmal kommen ihr noch heute die Tränen, wenn sie an diesen einen Moment zurückdenkt. Katharina Libert-Meyer trat mit ihrer Tochter Emma Luisa auf die Straße. Die Vierjährige hatte gerade ihre ersten Hörgeräte bekommen. Eine Möwe kreischte. Das Kind schaute nach oben und sagte schlicht: „Oh! Vogel!“ Es waren Tränen der Freude, der Erleichterung. Vielleicht auch ein wenig der Erschöpfung. Denn bis zu diesen Hörgeräten, die dem Kind von jetzt auf gleich einen Sinn wiedergaben, war es ein weiter Weg voller Hindernisse, Missverständnisse und falscher Diagnosen gewesen.

Die Einstellung zu Hörgeräten ist extrem wichtig

Dass die heute Zwölfjährige ohne Einschränkungen am Leben teilnehmen kann, ist auch Hörakustik-Meister Kim Holst zu verdanken. Den wichtigsten Tipp, den er Eltern mit einem schwerhörigen Kind geben kann: „Haben Sie Vertrauen in die Fähigkeiten Ihres Kindes.“ Je normaler die Eltern mit ihrem Kind umgingen, desto besser. „Die Einstellung der Eltern zu den Hörgeräten ist extrem wichtig“, sagt er. Emma ist bei ihm, seitdem sie vier Jahre alt ist. Emmas Mutter war Hörgeräten gegenüber immer positiv eingestellt. Das liegt sicherlich auch an der Leidensgeschichte, die sie mit Emma hinter sich hat.

„Das wird sich schon geben“

Zunächst schien mit Emma alles in Ordnung zu sein. Wie auch schon ihre ältere Tochter hatte die Pädagogin, die aus Polen stammt, ihre Tochter ambulant bekommen. Ein Neugeborenen-Screening wurde nicht gemacht. Der Kinderarzt holte es nach. Es gab eine kleine Auffälligkeit. Doch er vertröstete die Mutter mit den Worten: „Das wird sich schon geben.“ „Doch irgendwie hatte ich ein seltsames Gefühl“, erinnert sich die heute 37-Jährige. Das sollte sie nicht trügen. Doch die junge Mutter schob es erst einmal beiseite. Schließlich war Emma in allen anderen Dingen sehr schnell. Sie drehte sich früher als andere Kinder, sie war mobil. Was sollte schon sein?

Ein seltsames Gefühl

Als das Mädchen anderthalb war, kam das Gefühl wieder hoch. Während die ältere Schwester in dem Alter schon munter begonnen hatte zu reden, schien Emma kaum Worte zu finden. „Der Kinderarzt sagte, das sei eben manchmal so, wenn man die Kinder zweisprachig erziehe“, erinnert sich Katharina Libert-Meyer. Doch die mangelnde Sprachfähigkeit ihrer Tochter ließ ihr keine Ruhe. „Ich habe mich informiert, und dann waren wir bei einer Hals-Nasen-Ohrenärztin.“

Taube Ohren beim Arzt

Aber auch dort stieß sie auf taube Ohren und wurde als überfürsorgliche Mutter abgestempelt. „Das ging so lange, dass ich fast schon an mir selbst gezweifelt habe.“ Zumal Emma mit der Zeit eine Fähigkeit entdeckt haben muss, die ihr das Leben erleichterte: „Sie war eine Königin im Lippenablesen“, sagt die Mutter. Doch das wusste zu diesem Zeitpunkt niemand.

„Irgendwas ist falsch“

Emma sprach Ein- und Zweiwort-Sätze. Sie war drei Jahre alt. Regelmäßig ging es zur Logopädie. Auch die Logopädin bestärkte die Eltern recht schnell darin, dass ihre Tochter nicht richtig höre. Die Kinderärztin hingegen blieb dabei: „Bilinguale Kinder sind später dran.“ Oder, wenn die Familie im Sommer Schwimmen war: „Sie hat bestimmt Wasser hinterm Trommelfell.“ Doch das Gefühl blieb: irgendetwas ist falsch. „Ich hatte schon die Sorge, dass sie etwas am Gehirn hat.“

„Ihr Kind ist schwerhörig“

Die Kindergartenzeit begann. Dann würde sich das Problem schon legen, hofften die Eltern. Aber es wurde nur noch schlimmer. Wenn Erzieher Emma riefen, reagierte sie nicht. Die Familie wechselte zu einem neuen Kinderarzt. „Er sprach es dann aus: Ich glaube, ihr Kind ist schwerhörig, machen Sie einen Termin im Medizinischen Versorgungszentrum Oldenburg.“

Erleichterung bei den Eltern

Plötzlich ging alles sehr schnell. „Wir waren mit Emma in Oldenburg“, berichtet die Mutter. Das Kind wurde untersucht. „Und der Arzt hat uns dann total vorsichtig darauf vorbereiten wollen, dass Emma nicht gut hört, das hat man gemerkt.“ Doch für die Eltern war das gar nicht notwendig. Sie waren erleichtert. Erleichtert, dass es nur Hörgeräte waren. „Wenn man alles so einfach lösen könnte, wäre das doch wunderbar! Das ist doch wie eine Brille: Hörgeräte rein und man hört – super!“

Positive Einstellung 

Und Emma? Sie hat wahrscheinlich gemerkt, wie erleichtert ihre Eltern und positiv gegenüber Hörgeräten eingestimmt waren. Zwei Wochen sollte es dauern, bis sie ihre ersten Hörgeräte erhalten und sich das Leben der gesamten Familie zum Positiven ändern sollte. „Dann kamen wir aus dem Laden. Die Möwe schrie und Emma sagte: ‚Oh! Vogel!’“, erinnert sich die Mutter und muss schlucken. Die Tränen steigen ihr in die Augen. „Das war so toll…“

Hörgeräte-Routine

Inzwischen ist Emma zwölf Jahre alt, zweifache deutsche Meisterin im Rollkunstlaufen und ein aufgewecktes Mädchen, für das es zur Routine gehört, morgens ihre Hörgeräte einzusetzen und abends herauszunehmen. Als sie in die Schule kam, war das für Emma kein Problem. „Für einige Lehrer vielleicht schon“, erklärt die Mutter: „Doch Emma ist patent. Sie ist einfach zu den Lehrern hin, hat ihnen das Mikrofon angesteckt und fertig.“ Wahrscheinlich ist es auch dieser selbstverständliche Umgang mit der Schwerhörigkeit und die positive Einstellung der Eltern ein Schlüssel für den Erfolg mit den Hörgeräten – und natürlich auch der passende Hörakustiker, der sich um die Kinder kümmert.

Der Pädakustiker hilft

Emma ist seit vielen Jahren Kundin bei Kim Holst in Cuxhaven. Ihre Mutter ist begeistert von dem Pädakustiker, der dem Verband Pro Akustik angehört: „Der weiß alles. Bei vielen Dingen wusste ich gar nicht, dass das geht.“ Als sie dann wieder schwanger war, Titus zur Welt kam und eine Schwerhörigkeit festgestellt wurde, ging es sehr schnell. Titus bekam mit neun Monaten seine ersten Hörgeräte. „Als Herr Holst sie einsetzte und sich auf Titus Gesichtchen ein Lächeln ausbreitete, war das ein unglaublich schöner Moment“, erzählt die Mutter. Dieses Mal hatte man keine Zeit verloren.

Alle wollen Hörgeräte

Beide Kinder sprechen heute klar und deutlich – so wie andere Kinder auch. Sie empfinden ihre Hörgeräte nicht als Behinderung, sondern als Bereicherung. Das spiegelt sich auch im Verhalten anderer Kinder wider. Als Titus in den Kindergarten kam, stellte sich ein kleiner Junge vor ihn hin und sagte: „Boah, guck mal, der trägt Hörgeräte, der kann meine Gedanken lesen!“ Bei Emma war es Merle, die ein gutes Gehör hat. Sie kam eines Tages nach Hause und beharrte darauf, auch schlecht hören zu können. Ihre Mutter war erstaunt, bis sie herausbekam, warum Merle schlecht hören wollte – sie hatte die Hörgeräte von Emma gesehen.

Eltern zuhören

Und dann ging Katharina Libert-Meyer zu der HNO-Ärztin von einst. Sie berichtete ihr alles. Ja, sie redete sich auch den aufgestauten Frust über sie von der Seele. Das sollte nicht ohne Wirkung bleiben. Pädakustiker Kim Holst bekam immer mehr Kinder zur Versorgung. Die meisten kamen über die besagte HNO-Ärztin, die jetzt scheinbar genauer den Eltern zuhörte.

Hörgeräte für Kinder

„Bleiben Sie hartnäckig“

Frau Libert-Meyer, Sie haben zwei hörende und zwei schwerhörende Kinder. Was würden Sie Eltern empfehlen, die vermuten, ihr Kind könne schwerhörig sein?

Sie sollten unbedingt auf ihr Bauchgefühl hören und sich nicht abwimmeln lassen. Seien Sie hartnäckig und informieren Sie sich.

Wie wichtig ist es, positiv gegenüber Hörgeräten eingestellt zu sein?

Das ist enorm wichtig. Kinder spüren es, wie die Eltern dazu stehen. Sind sie positiv gestimmt, ist es das Kind auch. Ehrlich? Wenn alles so einfach zu beheben wäre wie eine Schwerhörigkeit, wäre die Welt einfacher.

Ist es für die Kinder kein Handicap?

Manche tragen eine Brille, um besser zu sehen. Unsere Kinder tragen Hörgeräte. Es ist ein Hilfsmittel. Wo ist der Unterschied?

Sind Ihre Kinder jemals gehänselt worden?

Es gab eine Situation in der Schule, ja, aber das hat unsere größere Tochter dann geklärt.

Welche Bedeutung spielt ein guter Pädakustiker?

Der hat eine große Bedeutung. Ein guter Pädakustiker ist Gold wert.

 

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